Bei Begehungen in Lagern und Logistikzentren wiederholen sich bestimmte Mängel auffällig oft - unabhängig von Betriebsgröße oder Branche. Meist sind es keine spektakulären Einzelfälle, sondern schleichend entstandene Abweichungen vom Soll-Zustand, die im Alltag kaum auffallen. Hier die fünf, die mir am häufigsten begegnen.
01Zugestellte oder blockierte Fluchtwege
Der Klassiker: Paletten, Leergut oder saisonale Ware stehen "nur kurz" im Fluchtweg - und bleiben dort über Wochen. Besonders kritisch wird es, wenn das direkt vor Notausgängen oder an Engstellen passiert, wo im Ernstfall viele Personen gleichzeitig durch müssen.
PraxistippFluchtwege sollten dauerhaft mit Bodenmarkierung freigehalten werden, nicht nur nach Bedarf geräumt. Eine feste, sichtbare Markierung erleichtert es dem Team, "ist doch nur kurz" gar nicht erst zu denken.
02Regalanlagen ohne aktuelle Prüfung oder mit sichtbaren Schäden
Verbogene Regalstützen nach einem Stapler-Rangierunfall, fehlende Anfahrschutzsysteme, überschrittene Belastungsgrenzen ohne sichtbare Kennzeichnung - Regalschäden werden oft als "kosmetisch" abgetan, sind aber ein reales Einsturzrisiko. Regelmäßige Regalinspektionen (häufig durch eine sachkundige Person) gehören in vielen Betrieben zum Alltag, werden aber nicht immer konsequent dokumentiert.
03Fehlende oder abgelaufene UVV-Prüfungen für Flurförderzeuge
Gabelstapler, Kommissionierer und elektrische Hubwagen benötigen wiederkehrende Prüfungen - in der Praxis verliert man bei einem größeren Fuhrpark leicht den Überblick, welches Gerät wann zuletzt geprüft wurde. Eine zentrale Prüfliste mit Fristen ist hier oft der einfachste Hebel, um Lücken zu vermeiden.
04Lückenhafte Nutzung persönlicher Schutzausrüstung
Sicherheitsschuhe werden getragen, aber Warnwesten in innerbetrieblichen Verkehrsbereichen fehlen - oder umgekehrt. Häufig liegt es nicht an fehlender PSA, sondern an fehlender Konsequenz in der praktischen Durchsetzung, gerade bei kurzen Wegen oder Besuchern im Lager.
05Unklare oder veraltete Kennzeichnung von Gefahrenbereichen
Bodenmarkierungen, die verblasst sind, Warnschilder für Bereiche, die längst umgenutzt wurden, oder neue Gefahrenstellen (z. B. nach einem Regal-Umbau), die noch gar nicht gekennzeichnet sind. Kennzeichnung ist kein einmaliges Projekt, sondern muss mit jeder räumlichen Veränderung im Lager mitwachsen.
Was das für Ihren Betrieb bedeutet
Auffällig an dieser Liste: Keiner der fünf Punkte ist technisch kompliziert zu beheben. Es geht selten um fehlendes Geld oder fehlende Ausrüstung, sondern um fehlende Routine - feste Prüfintervalle, klare Zuständigkeiten und eine Kultur, in der Abweichungen sofort statt "irgendwann" behoben werden. Eine regelmäßige, strukturierte Begehung mit Checkliste deckt genau diese Punkte zuverlässig auf, bevor sie zum Vorfall werden.
Wann war Ihre letzte strukturierte Lagerbegehung? Ich unterstütze Sie gerne dabei, Schwachstellen systematisch zu finden - bevor es eine Kontrolle oder ein Vorfall tut.
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